26.09.2018 10:10
von Sabrina Durante

Das Beste kommt noch – fünf Fragen an Kursteilnehmerin Bea Nelles

Ich bin neugierig, was noch kommt

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich zum Kurs «Alter und Weisheit – Das Beste kommt noch» angemeldet haben?

Das Lassalle-Haus kenne Ich schon seit vielen Jahren. Ich bin Jahrgang 1952 und habe kürzlich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, jetzt kommt ein letzter, neuer Abschnitt in meinem Leben. Als ich die Ausschreibung zu diesem Kurs las, fühlte ich mich sofort angesprochen. Nach dem Infotag im Januar war für mich klar: das ist es.

Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen und Eindrücke?

Nur schon den Aufbau des Kurses über ein ganzes Jahr, mit den Modulen und den Vertiefungstagen finde ich sehr gelungen – das gibt uns Teilnehmenden die Gelegenheit, sich für längere Zeit in ein Gebiet zu vertiefen und sich regelmässig auch in der Gruppe auszutauschen. So bekommt der Kurs eine ganz besondere Qualität.

Sie besuchen gerade das dritte Modul zum Thema «Herausforderungen», zuvor standen «Biografie» und «Trauerarbeit» im Fokus. Was konnten Sie bereits mitnehmen?

Das Thema Biografie etwa hat mich schon immer fasziniert. Den wohlwollenden Rückblick auf das eigene Leben habe ich als sehr wertvoll empfunden. Spannend war auch, die verschiedenen Lebensgeschichten in der Gruppe kennen zu lernen. Das hat bei mir ein besseres Verständnis für mein Leben geweckt, und zugleich auch eine grosse Dankbarkeit.

Was für eine Rolle haben für Sie, in Ihrem Prozess, die Referenten, die Kursleitung gespielt?

Die Kursleiterin Ursula Popp erlebe ich als eine sehr erfahrene, offene Persönlichkeit. Mir gefällt es, mit welch klarer wertfreier Haltung sie strukturiert durch die Seminartage führt. Sie versteht es wunderbar, den Blick auf das eigene Dasein, auf die bunte Vielfalt des Lebens zu lenken und setzt wertvolle Impulse für die Auseinandersetzung mit den grossen und spirituellen Fragen des Lebens. Sie machte mir Mut, meiner Sehnsucht zu folgen auf den Weg ins Unvertraute. Die Auswahl der Referentinnen und des Referenten haben die Seminartage auf ideale Weise ergänzt. Sie überzeugten mich mit ihren fachkompetenten, sehr persönlichen, anregenden, farbigen Beiträgen sehr.

Die Gruppe und der gegenseitige Austausch spielen eine grosse Rolle in diesem Kurs. Wie haben Sie das bisher erlebt?

Es gibt eine ziemliche Altersdifferenz innerhalb der Gruppe: die jüngste Person ist Jahrgang 1959, die älteste 1938 – es ist klar, dass diese Menschen an einem jeweils anderen Ort im Leben stehen. Wir haben uns aber sehr rasch «gefunden», es herrscht eine grosse Offenheit untereinander. Es geht mitunter auch um sehr existentielle Themen, da ist das Vertrauen, das wir aufgebaut haben, sehr wertvoll. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr die Gruppe «lebt».  

Hat sich Ihre Einstellung zum Älter werden seit Kursbeginn verändert?

Durch den Austausch mit den anderen Teilnehmenden und der Kursleiterin spüre ich, dass es weitergeht, dass ich weiterhin einen Platz in der Gesellschaft haben werde. Ich bin sehr zuversichtlich, aber auch neugierig, was jetzt noch kommt. Am Ende des letzten Moduls habe ich gespürt, dass ich diese ganzen Prozesse noch nicht abgeschlossen habe und den Kurs am liebsten gleich noch einmal machen würde. Der Zufall hat es so gewollt, dass mich kurz darauf Kursleiterin Ursula Popp angefragt hat, ob ich beim nächsten Kurs ihre Assistentin sein möchte. So sehen Sie: es geht weiter.

Bea Nelles, Jg 1952, hat ursprünglich Kinderkrankenschwester in Bern gelernt. Sie heiratete noch in jungen Jahren einen Medizinstudenten aus Berlin und gemeinsam verlegten sie für einige Zeit ihren Lebensmittelpunkt auf halbem Weg, nach Freiburg i.Br. Sie hat unter anderem in der Psychiatrie gearbeitet, in Thun mit einem Frauen-Kollektiv einen Bio-Laden aufgebaut und geführt. Als die vier Kinder ausgeflogen waren, zog sie mit ihrem Mann in ein kleineres Haus und gründete gemeinsam mit ihm in ihrem ehemaligen Familienhaus eine therapeutische Wohngemeinschaft für psychisch kranke junge Menschen. Mittlerweile haben sie zusammen fünf Grosskinder.

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