20.03.2020 14:34
von Tobias Karcher

Die ersten Tage nach dem Shutdown

Schock und Trauer
Wie hatten wir uns im Lassalle-Haus gefreut: Das Jahr 2019 konnten wir im Februar sehr gut abschliessen. Nun schauten wir voller Tatendrang auf dieses Frühjahr. Dann kam der Virus. Die ersten Absagen von Gastkursen. Die Anmeldungen der Eigenkurse versiegten. Schliesslich das Verbot von Präsenzveranstaltungen. Alle Pläne fürs erste durchkreuzt. Was für eine Enttäuschung. Jede Kursabsage schmerzte.

Das Leben organisieren
Aber nun galt es zunächst Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu übernehmen. Am vergangenen Montag konnten wir Kurzarbeit einreichen. Den Betrieb herunterzufahren. Gleichzeitig uns neu und virtuell organisieren. Wir haben auf home office umgestellt. Die Langzeitgäste verabschiedet. Gestern am Donnerstag konnte ich zum ersten Mal durchatmen.

Dankbarkeit
Bei meinem Spaziergang durch unseren Garten in Bad Schönbrunn konnte ich mich nun endlich wieder in der Haltung vertiefen, zu der uns unser Ordensgründer Ignatius täglich einlädt: Die Haltung der Dankbarkeit.

Ich schaute um mich herum: Was für eine zauberhafte Natur umgibt uns doch in diesen Tagen. Das frische Grün. Die gelben Schlüsselblumen. Der klare, hellblaue Himmel. Die warmen Sonnenstrahlen.

Mit dieser Haltung der Dankbarkeit konnte ich nun auch auf unseren Alltag schauen.

Denn es gibt auch diese Erfahrungen: Unseren telefonischen Kursabsagen ermöglichten uns, unseren Gästen zuzuhören und einander Mut zu machen. Die Gespräche unter Kollegen sind ernst, aber auch solidarisch. Wer muss nun zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern? Wer ist gesundheitlich angeschlagen und sollte deswegen nicht mehr kommen? Wie können wir die Gesundheit unserer älteren Jesuiten gewährleisten?

Sicher stehen auch Sie in diesen Tagen vor kleinen und grossen beruflichen und familiären Herausforderungen. Und sicher werden auch Sie mit der Haltung der Dankbarkeit vieles entdecken, was auch Sie ermutigen kann, in diesen besonderen Tagen.

Die Geister unterscheiden
«Du hast mir Raum geschaffen, als mir Angst war» heisst es im Psalm 4. In der Spiritualität unseres Ordensgründers werden wir eingeladen, die verschiedenen Regungen in uns wahrzunehmen und zu prüfen. Und dies gerade in solch turbulenten Tagen: Wo wird es eng, wo wird es weit in mir und in meinem Leben? Welche Wege tun sich nun auf und führen mich weiter? Aber auch: Wo kann ich Raum und Beziehung ermöglichen, wenn es für andere eng und einsam wird? Wer würde sich über einen Anruf freuen? Skype, FaceTime und Co ermöglichen erfrischende visuelle Kontakte.

Tägliche Meditationsangebote

Folgende Initiativen machen uns Mut und wir beteiligen uns an ihnen:

Meditationen zu den tägliche Lesungstexten der Eucharistiefeiern
Um dem Verbot der öffentlichen Gottesdienste etwas entgegenzusetzen, finden Sie auf der Webseite der Schweizer Jesuiten angeleitete Meditationen sowie die täglichen Lesungstexte der Eucharistie.

Virtuelles Zendo
Das Lassalle-Haus und Mitglieder der Glasmann Lassalle-Zen Linie bieten Impulse und Zeiten der Meditation.

Vom Lassalle-Haus aus werden wir ab der kommenden Woche regelmässig Impulse unserer spirituellen Traditionen auf unserer Webseite lebendig werden lassen, gemeinsam mit unseren Kursleiterinnen und Kursleitern. Wir freuen uns schon auf Ihre Rückmeldung.

Aber heute und am Sonntag wäre zunächst die Möglichkeit, die Sonne und den Garten zu geniessen …

Tobias Karcher SJ

Zurück