29.03.2020 09:36
von Samuel Hug

Aufbruch

Wie viel Gestaltungspotenzial ist im Menschen angelegt! Es gibt Menschheitserzählungen, wie der «Exodus», der Auszug aus Ägypten, welche sehr viel Grundsätzliches über unser Menschsein aussagen. Da steckt viel mehr über unser individuelles «Hier und Heute» drin, als uns bewusst ist. Die aktuelle Situation lädt uns dazu ein, darüber nachzudenken. Welche Aufbruchssituationen habe ich selber schon erlebt? Habe ich den Aufbruch selbst herbeigewünscht oder hat ein äusseres Ereignis dafür gesorgt? Was hat er bei mir bewirkt? Oder stecke ich gerade mitten drin?

Freiheit von…

Der Auszug aus Ägypten steht symbolisch für ein Aufbrechen aus Situationen, die beengen. Wo habe ich selber Bereiche in meinem Leben, die mich einschränken, die mich dazu einladen, mich zu bewegen? Was nehme ich einfach für selbstverständlich hin, obwohl ich es ändern könnte? Wo ist mein eigenes «Ägypten»? Manchmal ist es nicht nur Negatives, was uns beengt. Manchmal ist es unsere eigene Komfortzone, die uns daran hindert, zu wachsen. Gibt es Dinge in mir, die mehr Raum wollen, die befreit werden möchten?

Freiheit zu…

Doch mindestens so wichtig ist die Frage, wohin ich unterwegs bin. Genau daraus erhalten wir die Kraft zur Umsetzung. Was ist mein gelobtes Land? Welche Ziele bewirken bei mir ein Gefühl schöpferischer Zukunft? Wo kann ich Lebendigkeit erleben? Aufbruch ist nichts Heldenhaftes. Wenn wir uns Zeiten der Reflexion und des ehrlichen Hinhörens gönnen, werden sich Spuren zeigen, die uns zum Folgen inspirieren. Letztlich geht es darum, das zu werden, was wir sein können. Dazu gibt es keine Altersgrenze. Das ist ein grossartiger Auftrag an unser Menschsein.

«Ich will immer noch ‘werden’!», hat mir mal ein älterer Herr gesagt, dem ich begegnet bin. Er hat Recht. Wir kommen nirgends hin, wenn wir stehen bleiben.

Gabriela Scherer

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