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Reich Gottes auf Erden

Die so genannten Reduktionen – die Missionsdörfer in Lateinamerika – waren ein visionäres jesuitisches Projekt, das die spanische Krone vor 250 Jahren zerschlagen hat. Doch die Idee eines Verbundes von Menschen, die nach gerechten Verhältnissen streben, lebt weiter: Im Gedenken an das Vertreibungsjahr 1767 wird das Stück «Das heilige Experiment» von Fritz Hochwälder im Theater Orchester Biel Solothurn neu inszeniert. Premiere ist am 2. September in Solothurn.

Hochwälder setzt das Jesuiten-Collegio von Buenos Aires ins Zentrum. Hohe Gäste aus Europa kommen im Juli 1767 zu Besuch: Abgesandte des spanischen Königs und des Papstes bezichtigen die Jesuiten, einen Staat im Staate errichtet zu haben – weltliche Konkurrenz und nicht tolerierbares basis-christliches Experiment. Gutsbesitzer und Kaufleute fordern ebenso laut das Ende der jesuitischen Mission. Unerbittlich folgen Verhörszenen, Tribunale, Verhaftungen. Bis sich die Jesuiten entscheiden müssen: Widerstand oder Gehorsam?

Autor Fritz Hochwälder (1911–1986) war Sohn eines jüdischen Tapezierers in Wien. Seine Eltern wurden im KZ ermordet, er aber hatte sich 1938 den Rhein durchschwimmend in die Schweiz retten können. Im Internierungslager Gordola im Tessin untergebracht, fand er in der Bibliothek des Collegio Papio in Ascona den Stoff zu seinem Stück. «Bei näherer Beschäftigung erkannte ich die einzigartige Möglichkeit, die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und dem Reich Gottes auf Erden durch Ansiedlung in einem geschichtlichen Raum zu objektivieren und unserer Zeit nahezubringen», schrieb Hochwälder, der nach Kriegsende international bekannt wurde und zahlreiche Literaturpreise gewann.  «Das heilige Experiment» diente in späteren Jahren als Vorlage für den Oscar-prämierten Film «The Mission» und fiel damals auch dem jungen Max Frisch auf: «Ihr Stück hat mich von Anfang bis Ende in äusserster Spannung gehalten; es ist dramaturgisch von beneidenswerter Meisterschaft (…)», schrieb dieser 1947 an Fritz Hochwälder.

Die jesuitischen Missionsdörfer beflügelten immer wieder die Phantasie von Schriftstellern, Philosophen, Theologen und wurden je nach Blickwinkel benannt als Jesuitenstaat, Reduktionen, Heiliges Experiment, christlich-kommunistische Republik, verlorenes Paradies, Land ohne Übel… Christian Rutishauser, der am 2. September mit Lassalle-Haus-Direktor Tobias Karcher an der Premiere in Solothurn dabei sein wird, widmete den Missionsdörfern vor kurzem die Sonntagspredigt in der Jesuitenkirche Luzern. Ihn beschäftigt vor allem das Dilemma, in denen die Jesuiten damals steckten: Sollten sie mit Gewalt die Reduktionen verteidigen und somit ihre Ideale verraten? Sollten die Indios zur Waffe greifen, um sich gegen die Versklavung zu wehren? Jesuitische Kulturarbeit hatte in die Geschichte hineingeführt. Dabei verstrickt man sich immer auch in Schuld. Das Reich Gottes ist nicht rein zu haben. So fragt sich der sterbende Provinzial im Theaterstück angesichts der Zerstörung der Reduktionen: War alles um sonst? Sind wir selbst zu weit gegangen? Haben wir uns in den Aufbau eines weltlichen Gemeinwesens hinein verloren? Sind wir selbst in die Kolonisation hinein verstrickt? Vor allem aber: Ist das Ideal, gewaltfrei und schuldlos das Reich Gottes aufzubauen nicht eine Eingabe des Widersachers? Will das Gott? Rutishauser weiter, auf die aktuellen Bezüge im Stück und unseren Kontinent bezogen: Sie wollen gute Christen sein und keine Fehler machen. Doch sie haben den Mut verloren, missionarisch zu sein, weil sie um die Schuldgeschichte wissen. Missionarisch sein gehört aber zum Christsein. Dabei geht es heute nicht um fremde Kontinente. Es geht darum, aus dem Glauben heraus die Gesellschaft hier in Europa mitzuprägen.

«Das heilige Experiment» ist vom 2.9. bis 7.11.2017 im Theater Orchester Biel Solothurn zu sehen (www.tobs.ch Tel. 032 328 89 70 Biel/ 032 626 20 70 Solothurn).

Und wer gleich vor Ort auf Recherchetour gehen will, dies als Vorankündigung: Missionsprokurator Toni Kurmann SJ wird Ende April/Anfang Mai 2018 eine Lassalle-Haus-Reise durch Paraguay und Kolumbien leiten.

Galakonzert Astona-Sommerakademie

Seit letzten Sonntag beherbergt das Lassalle-Haus 33 junge Musikerinnen und Musiker. Die hochbegabten Streicherinnen und Pianisten stammen aus 10 Ländern von Estland bis Japan und nehmen an der diesjährigen Astona-Sommerakademie teil.

Zum Abschluss der Akademie findet am Freitag, 21. Juli in der Forrenmatt ein Galakonzert statt.

17:00 Türöffnung

18:30 Begrüssungskonzert mit dem Astona-Orchester

anschliessend Apéro riche, bei guten Wetter draussen im Park von Bad Schönbrunn

20:00 Galakonzert mit den ehemaligen Astona-Absolventen Esther Hoppe (Violine) aus Zug und Christian Poltéra (Cello) aus Zürich sowie aktuellen Studierenden.

Lesung Andreas Knapp

Er ist Priester, Ordensmann und einer der inspirierendsten spirituellen Lyriker im deutschsprachigen Raum. Sein Thema: Wie kann man in einem Umfeld, das mit dem religiösen Sprachspiel nicht mehr vertraut ist, von seinen religiösen Erfahrungen reden? Seine Gedichte bezeichnet er als "tastender Versuch, die Sprachlosigkeit zu überwinden, die grossen und kleinen Wunder des Lebens wieder neu zu entdecken." Im Rahmen des Vierwochen-Kurses für TheologInnen wird er am Dienstag, 29. August 16:45-17:30 Uhr in der Forrenmatt eine Lesung halten, zu der Sie alle herzlich eingeladen sind. Keine Anmeldung notwendig, Eintritt frei.

Ökumene: Spiritualität verbindet

Die Ökumene, das Miteinander der reformierten und der katholischen Kirche hat in Bad Schönbrunn eine lange Tradition. Dieser Dialog findet auf Augenhöhe statt, denn es geht darum, das Wirken des Geistes Christi in den verschiedenen Traditionen wahrzunehmen und deuten zu lernen.
Unter anderem bietet das Lassalle-Haus zum Reformations-Jubiläum eine Tagung und eine Reise auf den Spuren Martin Luthers an. 

Vernissage «Tao und Zen»

Vernissage Sanae Sakamoto

Am Sonntag, 7. Mai um 15:00 Uhr im präsentiert die Künstlerin Sanae Sakamoto ihre neusten Werke - Kalligraphien und Tuschemalereien rund um das Thema «Tao und Zen».

Pilgern - in den Ranft, nach Jerusalem

Reflexion, Meditation, Genügsamkeit prägen unser einfaches Unterwegssein für den Frieden in uns und in der Welt. Sei es auf dem Weg nach Flüeli-Ranft oder nach Jerusalem.

Frieden lieben – Krieg hassen

Wie hängen innerer und äusserer Krieg zusammen? Wie kann Frieden gelingen? Ein Meditations-Seminar vom 28. April – 2. Mai mit Claude AnShin Thomas, der einen langen Weg vom Vietnam-Soldat zum Zen-Mönch hinter sich hat.

Stille Tage zBerg

«Ich kann mich nicht erinnern, je nicht gern gelaufen zu sein.» Noa Zenger sagt’s und strahlt in sich hinein. Unschwer vorzustellen, wie leichtfüssig die 42-Jährige über Stock und Stein läuft, die Augen halb auf den Weg gerichtet und die Seele ganz dem Himmel entgegen.
Ihre Wurzeln liegen im Berner Oberland, wo sie als mittleres von drei Kindern auf einem Bauernhof aufwuchs. «Behütet, nüchtern, protestantisch», sagt sie. Zu beten habe sie nicht wirklich gelernt, „aber der Dank für die Gaben des Tisches gehörte vor jeder Mahlzeit dazu.» Wie auch der Dank für die trockene Heuernte, die Bitte um gutes Wetter, der Segen für die Bergtour. Die Tage z’Berg gehören für sie zu den glücklichsten ihres Lebens. «Vom Baum, der Blume, dem Ameisenhaufen am Wegrand kam mir etwas entgegen, das ich nicht in Worte fassen konnte, das mich bis heute umfasst und inspiriert.» Damals begann für sie «ein grundlegender Heilungsprozess, eine Liebesgeschichte mit Gott.»
Eine Geschichte auch, die durch manchen Sturm des Lebens führte. Noa Zenger brach auf, liess die sichtversperrenden Felswände hinter sich, wurde zunächst Lehrerin, dann Theologin, später reformierte Pfarrerin. «Ohne spirituelle Übungswege hätte ich diese Zeit kaum überstanden», sagt sie. Und so fand sie mit guten Wegbegleitern auch ins Lassalle-Haus, wo sie heute lebt und arbeitet und mit Ehemann Reto Bühler kontemplative Wandertage anbietet.

«Zu Fuss» heisst ihre Kursreihe, die vom 19. Bis 21. Mai auf Hügel und Berge der Zentralschweiz führt – eine Einkehr mit Fernsicht, ein Wochenende mit leichtem Gepäck. Ab 5. August dann laden die beiden zu sechs stillen Tagen nach Bad Schönbrunn mit kontemplativer Meditation im Sitzen und einfachen Wanderungen in der Zentralschweiz. «Wir wollen uns Tag um Tag aufmachen mit einem schlichten Wort im Herzen». Betrachtend, schauend, «ganz dem lateinischen Wortsinn Kontemplation entsprechend, um das stille Wirken Gottes in sich selbst und im eigenen Leben wahrzunehmen.»

Gott finden in allem – mit Bruder Klaus durch die Ostertage

Kontemplation in der österlichen Spiritualität von Bruder Klaus: Simon und Ingeborg Peng-Keller führen mit dem Friedensstifter und Mystiker vom 13.-16. April durch die Ostertage.