28.01.2019 11:52
von Sabrina Durante

Weiter Geist, grosses Herz: Ein Erlebnisbericht

«Big Mind ist wie ein Buch, das ich nicht nach der ersten Lektüre weggeben kann»

«Ein Wochenende im Zeichen des sogenannten Big-Mind-Prozess (siehe auch bigmind.org) in Verbindung mit Zenmeditation. In der Gruppe erforschen wir miteinander unterschiedliche Teilpersönlichkeiten. Diese Form der Selbsterforschung wird von vielen Teilnehmenden als sehr unterstützend, erhellend und heilend erfahren. Der Wechsel von innerer Arbeit und Zenmeditation vertieft diesen Prozess.»
Soweit der Text der Kursausschreibung – doch wie funktioniert dieser Prozess genau? Was erwartet die Teilnehmenden, die sich auf diesen Prozess einlassen? Zwei Teilnehmerinnen blicken auf den Kurs zurück. Und weil es darin um Dialog mit den inneren Stimmen geht, sind ihre Erfahrungen in der Form eines Gesprächs festgehalten.

S: Wie bist du auf diesen Big-Mind-Kurs gestossen?

J: Ehrlich gesagt, konnte ich mir nichts Genaues darunter vorstellen, und doch reizte es mich, diese Kombination von Zen-Meditation und Dialog mit den inneren Stimmen auszuprobieren.

S: Mir ging es auch so. Kursleiter Marcel Steiner empfiehlt die Teilnahme für Leute mit Meditationserfahrung – das ist rückblickend sinnvoll.

J: Und trotzdem ist es für mich zweitrangig, ob jemand erst seit Kurzem meditiert oder schon «erleuchtet» ist: der Prozess lehrt uns, auf die Stimmen in uns zu hören, die wir vielleicht gar nicht hören möchten. Hier hilft es sehr, dass wir als Gruppe gemeinsam in dieselbe Stimme eintauchen – wir haben zum Beispiel mit der Stimme des «Beschützers» angefangen.

S: Faszinierend war, dass die Gedanken wir ein Ball durch die Gruppe hin und her geworfen wurden, in dem Moment waren wir keine Einzelpersonen, sondern ein Kollektiv, ein «Schwarm». Die Stimmen ergänzten einander, es kamen immer neue Facetten hinzu.

J: Für mich eine Entdeckung und eine grosse Erleichterung: zu merken, dass wir alle mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen – zum Beispiel dem Gefühl, nicht zu genügen – auf welcher Weise auch immer.

S: Das Schöne an diesem Prozess ist auch, dass auch die Stimmen, die uns am Anfang nur negativ vorkommen, bei genauerem hinsehen auch ihre positiven Seiten eröffnen.

J: Das habe ich ganz besonders gespürt, als etwa meine Erkrankung zur Sprache kam und wir ihr in der Gruppe eine Stimme verliehen. Was dabei entstanden ist, hat mich sehr berührt. Einerseits konnte ich dieser Stimme – und damit auch der Krankheit – einen Raum geben, mich mit ihr versöhnen, anstatt nur mit ihr zu hadern. Gleichzeitig fühlte ich mich von der Gruppe getragen. Marcel Steiner hat uns mit sehr grossem Feingefühl durch diesen Prozess geführt, das rechne ich ihm sehr hoch an.

S: Das hat uns alle tief beeindruckt und bewegt.

J: Besonders ist auch, dass man die Perspektive ausweitet – um beim Beispiel des Beschützers zu bleiben: zuerst haben wir uns in die Stimme «unseres» Beschützers versetzt, dann des Beschützers der Gruppe, und zum Schluss des Beschützers der Menschheit. So haben wir unseren Geist geöffnet – das war für mich «Big Mind».

S: Ein ähnliches Gefühl, wie wenn man in einer Sommernacht den Sternenhimmel anschaut. Vieles wird dann relativiert. Wie ging es dir beim Meditieren?

J: Ich war sehr schnell sehr tief in der Meditation, das war eindrücklich.

S: Mir ging es genauso. Noch nie zuvor war ich so schnell in eine tiefe «Versenkung». So waren beide Teile des Kurses sehr lebendig: der Dialog zu bestimmten Zeiten, und die Meditation darum herum. Was nimmst du sonst noch von diesem Kurs mit?

J: Das Erlebnis eines grossen Mitgefühls – für mich selbst, für meine Mitmenschen, für die Welt. Auch wenn das jetzt etwas abgehoben tönt. Ich komme aus diesem Kurs mit einem grossen «Ja». Und ich habe mit mir selber vereinbart, täglich zu meditieren, um von diesem Erleben zu zehren und weiter daran zu arbeiten. Und bei dir?

S: Ich will den Big-Mind-Prozess unbedingt weiter erforschen und erleben. Es ist ja nicht etwas, das an einem Wochenende «abgehakt» werden kann. Marcel Steiner sagte zu Beginn des Kurses: «das Schöne an diesem Prozess ist, dass man nicht vorher weiss, wohin er uns führen wird». So ist es wohl mit jeder Gruppe anders, und auch die Stimmen, die man erforscht, sind jeweils andere.

J: Big Mind ist für mich wie ein Buch, das ich nicht nach der ersten Lektüre aus meiner Bibliothek weggeben kann. Ich nehme es immer wieder zur Hand, und jedes Mal entdecke ich etwas Neues darin.

 

Jacqueline M. und Sabrina D., Januar 2019

Big Mind-Angebote im 2019

Marcel Steiner über Zen und Big Mind

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