02.04.2019 10:41
von Kursleiter/Kursleiterin

Reiseblog Südamerikareise

Auf den Spuren meines Vorfahrens

Offizieller Empfang durch die Behörden von San Xavier. Vlnr: Christian Roth, die Kulturverantwortliche San Xavier, Ursula Rüdisüli-Roth - Nichte von Hans Roth, Peter Roth - Bruder von Hans Roth, Othmar Herzog, Franziska Schmid.

Nachdem wir nun seit dem 6. April in Südamerika unterwegs sind, führte uns unsere Reise gestern zu den Reduktionen in der Chiquitania. Als Nachfahrin von Pater Martin Schmid, er war ein Urururururonkel von mir, habe ich schon vieles von ihm gehört. Vor allem erinnere ich mich an das Bildmaterial, welches meine Eltern und mein Bruder uns nach ihren Reisen in diese Gegend gezeigt haben. Die Chiquitania war mir somit schon seit mehr als 30 Jahren bildlich bekannt. Als ich nun gestern, am 15. April, vor und in die Kirche San Javier getreten bin, war das für mich ein sehr emotionaler Moment. Mir wurde bewusst, dass dieses Werkes in der Realität nochmals eine ganz andere Dimension hat, welche auf den Bildern gar nicht ersichtlich war. So zum Beispiel dachte ich, dass die Wände bemalt sind. Dass sie aber eine Dreidimensionalität vorweisen, wurde mir erst vor Ort bewusst und hat mich zum Staunen gebracht.

Wir durften dem Gottesdienst bewohnen, welcher jeweils von einem kleinen Chor mit musikalischer Begleitung durch Geigen und Gitarren ergänzt und verschönert wurde. Zu meiner Freude konnte ich dann durch meine Erfahrung im Kirchenchor Baar sogar das Lied «Demos gracias al Señor» mitsingen. Nach dem Gottesdienst wurde uns vom Chor und Orchester ein wunderbares Konzert geboten. Mit grosser Freude haben die jungen Menschen musiziert und uns so sehr beschenkt. Als sie sogar die Messe Nr. III, welche Pater Martin Schmid zugeschrieben wird, gespielt haben, war ich sehr berührt und dankbar. Von der einheimischen Bevölkerung bekam ich eine grosse Dankbarkeit zu spüren, dass eine Nachfahrin von Pater Martin Schmid den Weg zu ihnen gesucht und gefunden hat. All diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, dieses Erbe von Pater Martin Schmid zu erhalten und zu Pflegen. Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass ich zu diesen Orten reise!

Franziska Schmid

 

 

Palmsonntag in Ascención de Guarayos

Geiger begleiten die Prozession zum Palmsonntag in Ascencion de Guarayos

Unsere erste Station in Bolivien führt uns in eine von Franziskanern im 19. Jahrhundert gegründete Mission. In der Pfarrei von Ascención mit heute rund 17'000 Angehörigen werden zum Palmsonntag drei grosse Gottesdienste gefeiert. Die von Hans Roth geplante und von Josef Herzog SJ erbaute Kirche eröffnet einen grossartigen Raum. Und jedes Mal ist sie mehr als voll! Wir staunen bereits ein erstes Mal über den hohen Prozentsatz junger Menschen in den jeweils rund 2'000 Gottesdienstteilnehmenden.

Auch staunen wir über die Integration in die Kultur und Tradition der Guarayos. So beginnt die Prozession zum Palmsonntag beim Haus des Ältestenrates, den Kaziken. Die Weisen des Stammes tragen stolz als Insignien jeweils einen kunstvoll gestalteten Holz-Stab und gehen direkt hinter der mitgetragenen Jesus-Statue her. Sogar drei Geiger stehen bereit, um die Gesänge musikalisch zu umrahmen.

Doch die Gegenwartskultur mit Mikrophon und mitgetragenem Lautsprecher beginnt die Tradition zu überlagern. Die Geiger verschwinden nicht nur im übermächtigen Klangteppich, sondern auch in der Menge. Als im Abendgottesdienst die jungen Menschen mit ihrer Musik – lautstark von einer Live-Band in der Kirche gespielt – feiern, wird der Kulturwandel noch offensichtlicher.

Toni Kurmann

Sonidos de la Tierra

Im Sommer 2017 haben wir in der Schweiz die «Sonidos de la tierra» empfangen und auf Konzerte begleitet. Jetzt bekommen wir ein herzliches «bien venidos» in Paraguay, im Quartier Bañado Sur, wo ausschliesslich randständige Familien leben. Im von morgendlicher Sonne erhellten Hinterhof der Gemeinschaft «Camsat escuela de música» sitzen kleine und ältere Kinder auf abgenutzten weissen Plastikstühlen mit Geigen in der Hand. Mit teilweise zurückhaltendem Blick auf unsere Reisegruppe gerichtet, bereit, auf Zeichen ihrer beiden jungen Lehrer ihre Töne und kleinen Stücke zu spielen. Die Musiklehrer, engagierte Studenten aus der Reihe von Luis Szarán unterrichten so, wie sie es früher selbst erlebt haben. Das soziale Gedankengut weiterzugeben und im speziellen die musikalische Förderung für Kinder jeglicher sozialen Couleur anzubieten, findet unermüdlich seine Fortsetzung. Denn «wer tagsüber Geige spielt, wirft nachts keine Schaufenster ein». Eindrücklich ist, was wir hier erleben, berührend ist zu realisieren, dass hinter dem grossen Engagement immer Männer und Frauen stehen, die sich als «Motor» der Aktivitäten verstehen – und sich auch selbst so bezeichnen.

Gabriela Rüegg-Stürm

 

 

Eingetaucht

In Asunción, der Hauptstadt Paraguays, tauchten wir innerhalb von wenigen Stunden in die vielfältigen sozialen Realitäten eines südamerikanischen Landes ein. Gespräche mit deutschstämmigen Wirtschaftsexperten gaben uns Einblick in die herausfordernden Rahmenbedingungen. In dieser Welt mit grossen wirtschaftlichen Möglichkeiten muss gleichzeitig mit Korruption und um Rechtssicherheit gerungen werden.

Unsicherheiten ganz anderer Art beschäftigen die Menschen in Bañado del Sur, einer informellen Siedlung am Ufer des gewaltigen Flusses «Paraguay». Hier leben rund 25'000 Familien – also rund 120’000 Menschen. Für viele ist der 60 Meter hohe Müllberg mit den Abfällen der Hauptstadt die wichtigste Einnahmequelle. Sie durchsuchen den pausenlos von Lastwagen hergeführten Müll auf wiederverwertbare Metalle und Kunststoffe. Hier informierte uns die Koordinatorin von «Fe y Alegría» über die Bildungsprojekte, die den Kindern in diesen Stadtteilen Schulbildung ermöglichen.

Was uns in die Knochen gefahren ist: gegenwärtig steigt der Pegel des Flusses nach Regenfällen täglich um rund 15 cm. Wir wurden Zeugen, wie viele Familien ihre Habseligkeiten auf höher gelegene öffentliche Plätze übersiedeln. Dort errichten sie mit Hilfe der städtischen Nothilfe, die Spanplatten und Wellblech zur Verfügung stellt, temporäre Behausungen. Überschwemmungen des Flusses traten früher periodisch ca. alle 8 Jahre auf. Seit 2014 jedoch ereignen sie sich jedes Jahr. Die Menschen hier sehen die Ursachen auch im Klimawandel. Nun werden hunderte von Familien rund drei Monate warten müssen, bis sie wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Da wohl auch die Schulgebäude von Fe y Alegría unter Wasser stehen werden, kann der Unterricht in Gebäuden der Kirchen weitergeführt werden.

Toni Kurmann

 

Weitere Reisen mit dem Lassalle-Haus:

Zu Fuss nach Jerusalem - Pilgern durch Südserbien

Türkei: Christentum, Islam, Moderne

 

 

 

 

 

 

Zurück