20.08.2018 08:45
von Sabrina Durante

Beim Malen das Innere und Äussere wahrnehmen

Vor dem Kurs «Kunst als Weg – Kontinuum. Malen aus der Stille» bei Jörg Niederberger hatte ich keine Erfahrung mit Malen oder künstlerischem Gestalten. Am Anfang habe ich daher innerlich mit meinen Ansprüchen und Fähigkeiten gerungen: Ich wollte meine Bilder schön finden – und sie sollten auch anderen gefallen. Daraus ergaben sich sehr viele Ansatzpunkte zur Selbstreflexion und -erkenntnis. Gegen Ende des Kurses konnte ich meine Ansprüche an mich selber und an die gemalten Bilder immer besser loslassen und war teilweise sogar gespannt, welches Bild nun auf dem weissen Papier entstehen würde. Es war befreiend, diese innere Stille zu erleben.

Gleich und doch nicht immer gleich

Zu Beginn des Kurses sollten wir uns je ein Motiv suchen, das wir dann jeden Morgen vor dem Frühstück von Neuem malten. Diese Aufgabe mag vielleicht verwundern, hat aber wirklich viel mit einem gemacht: im Verlauf des Kurses hat sich die Wahrnehmung verändert, so hat man gesehen, wie sich täglich das Licht, die Stimmung des Raums oder der Natur und die Farben verändert haben. Gleichzeitig stellte ich durch das immer gleiche Motiv fest, wie meine eigene Stimmung täglich wechselte.

Beim Malen hat so während des Kurses ein Prozess bei jedem von uns fünf Kursteilnehmenden stattgefunden: Die Landschaft wurde zum Spiegel des Inneren. Man hat durch das Malen eine ehrliche Beziehung zu sich selbst aufgebaut. Es ging aber nicht nur darum, sich zu spüren, sondern auch etwas Substanzielles, Inneres wahrzunehmen und diesem gestalterisch Ausdruck zu verleihen.

Malen als spiritueller Weg

Ich praktiziere seit einiger Zeit Kontemplation und durfte jetzt im Kurs erleben, dass Kunst auch ein Weg zum Innersten ist. Kunst macht das Eigene wahrnehmbar und sichtbar. Malen oder auch Gestalten ist für mich eine neue Art, dem eigenen Weg zu folgen. Die Verbindung von Kunst und Spiritualität fand ich sehr spannend, sie hat mir einen neuen Blick ermöglicht und neue Aspekte aufgezeigt. Es war toll, von der Kunst geführt zu werden und dadurch Vertrauen zu schöpfen. Ich habe so ein Empfinden dafür entwickelt, dass das Göttliche, das Geheimnis durch die Kunst zum Ausdruck gebracht wird und durch mich geschehen kann.

Ganz eins und erfüllt

Das Malen und die fest eingeplanten Meditationen haben sich gegenseitig beeinflusst: Ich habe beispielsweise in der Kontemplation durchs Malen Hervorgerufenes wahrgenommen und gleichzeitig sind aber auch auf einmal Bilder in der Mediation hochgekommen. Das kannte ich bei mir sonst nicht. Hinzu kam noch, dass der Kurs durchgehend im Schweigen stattfand – dadurch war ich immer wieder auf mich zurückgeworfen. Gleichzeitig hat die Gruppe einen getragen, und das hilft sehr. So durfte ich Momente erleben, in denen ich spürte, ganz eins und erfüllt zu sein.

Von der Farbe berührt

Am letzten Tag haben wir alle Bilder nebeneinander aufgehängt. Das führte uns den Kurs und die stattgefundenen Prozesse – emotional, visuell, gestalterisch – noch einmal direkt vor Augen. Jede und jeder hatte im Laufe des Kurses seine eigene Malschrift gefunden. Ich habe zudem erlebt, wie ich verstärkt Vertrauen in meinen eigenen Weg und die Zuversicht, ihn im Leben zu finden, gewonnen habe. Das entstand vor allem aus dem Erlebnis, dass sich beim Malen Prozesse ohne mein forciertes Zutun entwickeln. Deswegen hat es mir sehr gefallen, mich dem Malen und der Farbe hinzugeben, berührt zu werden und durch das Malen innerlich leer und damit frei zu sein. Allerdings haben wir auch gesehen, dass Kontinuität wichtig ist. Das Erlebte bedarf der Übung und der Pflege.

Sandra F., August 2018

 

Kunst im Lassalle-Haus:
7.-11.10.2018: Nichts als Farbe - Basic. Malen und Kontemplation mit Jörg Niederberger
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11.-14.10.2018: Sho dô - Japanisch-chinesische Kalligrafie und Sumi-e - Fernöstliche Tuschemalerei (Grundkurs) mit Sanae Sakamono
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26.-28.10.2018: Ikebana - Freundschaft durch Blumen. Mit Lea Ruprecht und Daniela Jost, Ikebana International
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