11.09.2018 08:35
von Samuel Hug

Ein Erfahrungsbericht in Einzelexerzitien

Begegnung mit dem liebenden Gott

Vor dem Kurs „Einzelexerzitien - 7 Tage“ bei Bruno Brantschen SJ und Noa Zenger hatte ich noch keine Erfahrung mit Exerzitien. Als ich mich mit dem Kursangebot des Lassalle-Hauses auseinandergesetzt habe, habe ich auch die Exerzitien-Seiten immer einfach überblättert, da ich dachte, es ist absolut nichts für mich. Aber letztlich wurden mir die Einzelexerzitien doch so ans Herz gelegt, dass ich den Kurs besucht habe. Das war eine sehr gute Entscheidung.

Im Austausch mit Gott

Im Kurs hatten wir drei bis vier Gebetszeiten am Tag, die jeweils ungefähr eine Stunde dauerten. Ich wusste nicht, was die Gebetszeiten eigentlich sein sollen und habe gelernt: darin nimmt man sich bewusst Zeit, im Austausch mit Gott zu sein.

Von der geistlichen Begleitung bekommt man für den nächsten Tag für jede Gebetszeit entweder eine Bibelstelle, eine Frage oder auch Bilder, um sie zu meditieren. Da ich persönlich nicht so bibelaffin bin, war ich vor dem Kurs eher skeptisch. Als ich mich aber in den Austausch mit Gott begab, hat sich in mir ganz viel getan. Ich habe Klarheit gewonnen.

Meditiert man beispielsweise eine Bibelstelle, geht man Satz für Satz oder Abschnitt für Abschnitt vor. Man begibt sich hinein in das Erzählte, beobachtet und wird auch manchmal Teil der Geschichte. Ich habe in diesem Prozess sehr stark erlebt, dass man mit Gott reden kann. Das war neu für mich und hat mir ein ganz anderes Verhältnis hin zum Göttlichen offenbart.

Nach der Gebetszeit reflektiert man über die Erfahrungen, die man während der Meditation macht. Dazu geht man an einen anderen Platz, um eine klare Trennung zwischen Meditation und Reflexion zu haben. Und dann schreibt man seine Reflexionen auf. Das Schreiben ist ganz wichtig: Jeder, der Exerzitien macht, läuft grundsätzlich mit einer Bibel und Notizheften herum. Ich habe beispielsweise fast zwei Notizhefte gefüllt. Das ist mir auch wichtig, um es später im Alltag wieder für mich abrufen zu können und so die Energie aus dem Kurs mitzunehmen.

Verbundenheit mit der Gruppe

Der Tagesaufbau des Kurses hat mich sehr überrascht: Neben den Mahlzeiten gab es nur drei feste Kurspunkte, die alle gemeinsam gemacht haben: morgens geistlicher Impuls und Körperübungen, Gottesdienst um 17:40 und das Abendgebet ab 20:00. Den Rest der Zeit hatte jeder zur freien Verfügung, um individuell seine Gebetszeiten zu machen. Mich hat das anfangs sehr irritiert: Ich brauche nämlich normalerweise eine klare Struktur. Aber ich habe täglich gespürt, wie ich mich auf die Gebetszeiten gefreut habe, die ich mir eingeteilt hatte und ich gar keine äussere Struktur brauchte. Das war toll.

Ausserdem hat es mich positiv überrascht, wie verbunden wir in der Gruppe waren, obwohl wir gar nicht so viel Zeit zusammen in einem Raum verbracht haben. Diese Erfahrung kam wahrscheinlich dadurch, dass der Kurs gemeinsam im Schweigen stattfand und so eine Atmosphäre der achtsamen Verbundenheit entstand.

Überraschungen

Durch den Kurs habe ich gelernt, die Bibelstellen mit meinen Gefühlen zu erfassen und nicht über den Kopf. Ich war überrascht, wie gut die Meditationsmethode funktioniert hat und wie dadurch innere Prozesse losgetreten wurden. In der Meditation fragt man sich immer wieder, was im jeweiligen Moment die tiefste Sehnsucht ist. So erlangt man Klarheit und kann aufrichtig um die Erfüllung der Sehnsucht bitten. Das ist eine ganz neue und sehr befreiende Erfahrung für mich.

Deswegen nehme ich für mich aus dem Kurs für den Weg ausserhalb des Lassalle-Hauses mit: Hinhören, was meine grösste Sehnsucht ist, was Gott mir zeigt. Darum bitten, dass meine Sehnsucht erfüllt wird und darauf vertrauen, dass ich nicht rennen muss, damit meine Sehnsucht erfüllt wird. Wenn ich in Resonanz mit Gott bleibe, wird mir gegeben werden.

Elisabeth M.

 

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