15.12.2018 09:03
von Samuel Hug

Spiritualität - was ist das?

Spiritualität bezieht sich nicht allein auf die Innenwelt, sondern zielt auch darauf, Welt zu gestalten. Je nach Tradition, Erfahrungsweg und Umfeld ist das Verständnis für den Begriff der Spiritualität aber ganz unterschiedlich.

Wir haben bei Michael von Brück, Professor für Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Christian Hackbarth-Johnson, evangelischer Theologe und Lehrer für Yoga und Zen, nachgefragt. Sie bieten 2019 im Lassalle-Haus gemeinsam zwei Kurse zum Thema «Spiritualität – was ist das?» an.

 

Was ist Ihre (kurze) Definition von Spiritualität?

Michael von Brück (MvB): Der bewusste Umgang des Bewusstseins mit sich selbst.

Christian Hackbarth-Johnson (CHJ): Unter Spiritualität verstehe ich das Berührtwerden des Bewusstseins durch das Göttliche und die Ausrichtung des Bewusstseins auf das Göttliche.


Religion und Spiritualität - wo ist der Unterschied?

MvB: Religion ist Institution, Spiritualität ist eine Haltung.

CHJ: Religion bezeichnet für mich mehr den objektiven, institutionellen Aspekt, Spiritualität mehr das Subjektive, den Erfahrungsaspekt.


Welche Bedeutung schreiben Sie der Spiritualität im modernen digitalen Zeitalter zu?

MvB: Kultivierung des Geistes ist notwendig in jeder Zeit, in allen Aspekten des Lebens

CHJ: Indem wir Menschen immer mehr mit sogenannter „künstlicher Intelligenz“ zu tun haben, ist es wichtig, die „natürliche Intelligenz“ zu kultivieren. Das Vertrautsein mit künstlicher Intelligenz könnte aber auch den Zugang zum eigenen Bewusstsein erleichtern. Dies, indem man über die Art, wie die künstliche Intelligenz funktioniert, eine gewisse Anschauung bekommt, wie unser Bewusstsein, die natürliche Intelligenz funktioniert. Wer ist es, der unsere „Festplatte“ programmiert?


Es gibt viele Leute, die mit «Spiritualität» nichts am Hut haben wollen. Was empfehlen Sie diesen Personen?

MvB: Atmen, Sitzen, Beobachten

CHJ: Dem Begriff Spiritualität ergeht es wie dem der Religion. Er bewirkt eine Dualität. Wie das Weltliche und das Religiöse unterschieden werden, so auch das Geistige, Spirituelle und das Materielle. In Wirklichkeit sind das gar nicht zwei Dinge, sondern eines. Insofern kann man das Wort auch weglassen. Es geht um Selbsterkenntnis, um die Erkenntnis der Wirklichkeit, um Aufklärung, wie das Bewusstsein funktioniert. Und von da weitergehend um eine Lebensgestaltung, die sich aus dieser Erkenntnis ableitet. Die Erkenntnis ist nicht intellektuell, sie umfasst die Gefühle, den Körper und den Geist.


In einem Satz gesprochen - welches ist für Sie der wichtigste Aspekt der Spiritualität?

MvB: Sie macht wach und bereitet Freude.

CHJ: Mit Meister Eckhart gesprochen: Nimm dich selber wahr, und wo du dich gefunden hast, da lass dich.

 

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