Architektur und Park

Harmonikale Architektur

Der renommierte Zürcher Architekt André Studer baute das Lassalle-Haus 1968/69 nach den Prinzipien der harmonikalen Architektur: Mathematische Gemeinsamkeiten von Architektur, Musik, Religion und auch Astrologie fliessen darin ein und werden in ein umfassendes Gesamtsystem eingeordnet. Die Proportionen stehen alle in einem bestimmten Verhältnis zueinander – wie in der Musik die Intervalle, die wir als besonders harmonisch empfinden.

Studer absolvierte während seines Architekturstudiums an der ETH Zürich ein Praktikum bei Le Corbusier in Paris, war vom Harmoniker Hans Kayser fasziniert und pflegte eine lebenslange Freundschaft mit dem amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright – drei Menschen, die ihn massgeblich inspirierten. Das Grundmass von Studers Bauten ist das menschliche Längenmass «Fuss», das etwa 30 cm entspricht; alle Masse sind ein Vielfaches oder ein Bruchteil davon. Die Proportionen, die eine harmonische Melodie ergeben sollen, ermittelte er mit Hilfe seines Monochords (ein Instrument mit nur einer Saite). Gemäss Studer erhält der Bau auf diese Weise seinen ureigenen Klang, der die Gefühle der Menschen anspricht.

Georg Frey, Architekt und ehemaliger Denkmalpfleger des Kantons Zug, beschreibt die Architektur des Lassalle-Hauses so:

«Wir können uns dem Lassalle-Haus aus verschiedenen Richtungen nähern, rundum ist der Übergang von der Umgebung zum Gebäude allmählich. Die Innenräume des Gebäudes sind auf vielfältige Art mit den Aussenräumen verbunden. Vor dem Haupteingang betreten wir einen Hof, der uns auf die Intimität des Gebäudes einstimmt. An anderen Orten sind es Rampen, Treppen, Vordächer und auskragende Gebäudeteile, die das Innere mit dem Äusseren verbinden. Das Lassalle-Haus öffnet sich, ohne die Geborgenheit zu verlieren. Es schützt sich nicht mit Mauern, sondern mit gestalteten Zugängen, die uns Zeit geben, ein- und auszutreten. Diese Offenheit setzt sich im Innern fort. Hallen, Treppen, Rampen, Galerien und Korridore bilden ein Raumkontinuum, das abwechslungsreich gestaltet ist und Wege erlebbar macht. Wenn wir durch das Haus schreiten, wandern wir durch eine Folge von charakteristischen Räumen, die Bewegung und Ruhe gleichermassen zulassen. Die Räume führen uns, aber die Richtung ist nicht eindeutig. Einer Skulptur ähnlich, sind beim Lassalle-Haus alle Bereiche differenziert gestaltet: Die Gartenanlage mit den erwähnten Zugängen, dem Friedhof und dem Innenhof mit Terrasse und Teich. Der gegliederte Baukörper mit seinen unterschiedlich gestalteten Fassaden. Die Innenräume mit verschiedenen Raumqualitäten. Gartenanlage, Baukörper und Innenräume bilden wie bei einem Musikstück eine durchkomponierte Einheit, die harmonisch in die Landschaft eingebettet ist. Im Innern kontrastiert die reiche plastische Gestaltung mit der Beschränkung auf wenige Baumaterialien. Sichtbetonelemente, verputzte Flächen, Naturstein, Holz und Glas prägen die Räume. Die begrenzte Zahl der Materialien balanciert den Reichtum der räumlichen Verhältnisse aus. Die Erfahrungen mit der Architektur des Lassalle- Hauses sind sinnlich. Der menschliche Massstab und das Körperhafte der Architektur lassen sich am eigenen Leib spüren. Die komplexen Räume strahlen eine Ruhe aus, die anregend ist. Es ist eine starke Architektur, die nicht einengend, sondern offen ist.»

Der Park

Dem Gartenarchitekten Josef Seleger aus Hausen am Albis kam die Aufgabe zu, den Park zu gestalten und mit dem Haus zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden – sozusagen den Klang des Hauses auch in die Umgebung hinauszutragen. Seleger konzipierte rund um das Haus Begegnungs- und Rückzugsorte, ruhige Sitzplätze, geschützte Nischen und nutzte Ausblickpunkte, die den Blick in Richtung Zugersee und Voralpen lenken. Drei Wege führen ums Haus und durch den Park – sie wurden so in das hügelige Gelände hineingelegt, dass sie nie in ihrer vollen Länge sichtbar werden und den Park visuell „durchschneiden“. Die alten Bäume und Sträucher, die noch aus der Zeit des Kurhauses Bad Schönbrunn stammen, bezog der Gartenarchitekt in seine Komposition mit ein. Seleger, der in den 60er Jahren auch den Park des Cern bei Genf mitgestaltet hatte, war noch bis Anfang 2000 selber für den Unterhalt unseres Parks zuständig. Lesen Sie im Folgenden sein Porträt, erschienen in der Zeitschrift für Landschaftsarchitektur «Anthos» und verfasst von Gabi Lerch, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Technik in Rapperswil.