27.11.2017 12:24
von Samuel Hug

Vom Lassalle-Haus aus auf Pilgerreise nach Santiago de Compostela

Erfahrungsbericht eines Langzeitgastes

Michael Odermatt wollte eigentlich nach Kambodscha – und kam als Langzeitgast ins Lassalle-Haus. Am 26. November nimmt er den Jakobsweg unter die Füsse. Ein Rückblick über eine ganz besondere Zeit in seinem Leben. Ein Erfahrungsbericht.

«Auf Ende Juni 2017 habe ich meine Stelle als Vorsorgeberater bei einer Schweizer Bank gekündigt und wollte mir ein Jahr Auszeit gönnen – nach Kambodscha sollte es gehen, um in ein soziales Projekt der Jesuit Volunteers zu arbeiten. Doch es kam alles anders: Vor der Abreise wurde ich krank und musste den Flug annullieren. Es war nicht klar, wann ich wieder fliegen und ob ich meinen Einsatz im Kambodscha überhaupt realisieren konnte. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Ich musste erst wieder Vertrauen in meinen Körper aufbauen. So kam ich vorerst für drei Wochen ins Lassalle-Haus, um mich zu erholen. Die Arbeit am Morgen gab mir einen Rahmen, die freie Zeit am Nachmittag die Gelegenheit zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Noa Zenger begleitete mich während dieser unsicheren Zeit. Ich kam zum Schluss, dass der Aufenthalt in Kambodscha zu diesem Zeitpunkt nicht das Richtige für mich ist, und durfte danach als Langzeitgast hierbleiben.

Ich konnte ein Stück weit zu mir finden und einfach zur Ruhe kommen, auch dank der täglichen Meditationen und Gottesdienste. Schön war es, in der Hausgruppe mit den anderen Langzeitgästen und den Jesuiten wie in einer kleinen Familie aufgehoben zu sein und am Tagesablauf teilzunehmen. So konnte ich regelmässig morgens und abends jeweils eine Stunde meditieren und Zen, Kontemplation und die offene Meditation kennenlernen. Ich durfte an einem Wochenendkurs in Yoga und Meditation teilnehmen und habe sechs Tage lang Einzelexerzitien gemacht. Nachmittags und am Wochenende ging ich oft wandern – bei dem prächtigen Herbst dieses Jahres habe ich so das Wandern neu entdeckt. Früher fiel es mir schwer, alleine unterwegs zu sein. Während dieser Zeit habe ich erlebt, wie befreiend es sein kann, in der Natur allein zu wandern und doch immer offen bleiben für Menschen, die mir auf dem Weg begegnen.

Was nehme ich von diesen drei Monaten mit? Meditieren ist mir wichtig geworden: Ich möchte weiterhin regelmässig morgens und abends in die Stille gehen. Zudem bin ich auf Zen neugierig geworden und werde bestimmt im nächsten Jahr ein Sesshin besuchen. Auch die Einkehrtage bei Heidi Eilinger habe ich mir bereits in die Agenda eingetragen. Sie sind einfach eine wunderbare Gelegenheit, einen Tag im Monat ins Schweigen zu kommen und zu meditieren.

Da ich nun gelernt habe, alleine zu wandern, werde ich auch das in meinen Alltag mitnehmen. Am 26. November mache ich mich auf den Jakobsweg. Der Weg ist das Ziel, das Fernziel ist Santiago de Compostela. Ich werde durch den Winter wandern, weiter meditieren und so das gelernte wortwörtlich mit auf den Weg nehmen. Wer möchte, kann meinen Pilgerweg auf meinem Blog mitgehen: https://einjahrinkambodscha.wordpress.com/blog/.

Das Lassalle-Haus ist für mich so etwas wie eine leise Insel in der lauten Welt. Ich werde bestimmt immer mal wieder auf diese Insel zurückkommen.» Michael Odermatt

Suchen auch Sie eine schöpferische Pause und Raum für eine Neuorientierung? Als Langzeitgast lassen Sie sich auf einen spirituellen Weg ein und werden geistlich begleitet. Kost und Logis werden durch einfache Arbeiten in Küche, Technik oder Hauswirtschaft abgegolten. Informationen dazu unter www.lassalle-haus.org/langzeitgast.html oder direkt über Noa Zenger: noa.zenger@lassalle-haus.org.

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