50 Jahre Architektur des Lassalle-Hauses

Dieses Jahr dürfen wir auf 50 Jahre harmonikale Architektur zurückschauen. Ende der 60er Jahre baute der renommierte Architekt André Studer das Lassalle-Haus, 1970 wurde es eröffnet. Seither ist es für Tausende von Besuchern zur Heimat geworden.

Das Haus hat den Klang der Stille durch unzählige Meditationseinheiten mitgetragen und den Weg nach innen sowie nach aussen gefördert. Es hat Raum für den Geist der spirituellen Wege und den interreligiösen Dialog geschaffen und der wunderbare Park hat für die Erholung von Körper und Seele gesorgt.

Das 50-jährige Jubiläum möchten wir feiern und bieten ein spannendes Programm:

Seminar Sacred Sprace - zur Mystik sakraler Räume

Seminar Sacred Sprace - Zur Mystik sakraler Räume
50 Jahre André Studers harmonikale Architektur des Lassalle-Haus
Mit dem Architekten Gion Caminada, dem Regisseur Christoph Schaub und dem Jesuiten Prof. em. Friedhelm Mennekes SJ
Seminar vom 12. - 14.6.2020

Führung durch Haus und Park - Angebot für Gruppen und Teams

Eine erlebnishafte Einführung in die spirituelle Architektur des Lassalle-Hauses, welches von André M. Studer nach der harmonikalen Bauweise konzipiert wurde. Alle Masse im Haus sind nach Klang, nach Tonlängen definiert. Die Proportionen ergeben eine ganz besondere Melodie. Das Haus ist hineinkomponiert in die sanfte Moränenlandschaft der Voralpen. Die Parklandschaft lädt zum Verweilen ein. Die Kernbotschaft des Lassalle-Hauses «Stille bewegt» wird erfahrbar. Wir führen ein in die Philosophie des Lassalle-Hauses als «Zentrum für Spiritualität, Dialog und Verantwortung». Gerne können Sie die Führung mit einem Apéro oder einem Essen verbinden.

Kontakt:
Marianne Beeler
marianne.beeler@lassalle-haus.org
Tel. 041 757 14 23


Die Melodie des Hauses

Dass 1967 der Architekt André M. Studer (1926–2007) den Wettbewerb für den Neubau gewann, ist bis heute ein grosses Glück. Die Anlage in Bad Schönbrunn, die 2013 gesamthaft unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist ein Vermächtnis seines Wissens und Könnens.

Das Grundmass von Studers Bauten ist das menschliche Längenmass «Fuss», das etwa 30 cm entspricht; alle Masse sind ein Vielfaches oder ein Bruchteil davon. Die Proportionen, die eine harmonische Melodie ergeben sollen, ermittelte er mit Hilfe seines Monochords (ein Instrument mit nur einer Saite). Gemäss Studer erhält ein Bau auf diese Weise seinen ureigenen Klang, der die Gefühle der Menschen anspricht.

Diese Erkenntnisse setzte er eins zu eins im Lassalle-Haus um. In der Unterschutzstell-Verfügung der kantonalen Denkmalpflege Zug steht: «Erstens betragen alle Masse, vom kleinsten Detail bis zu den äusseren Abmessungen, ein Mehrfaches oder einen Bruchteil von 30 Zentimeter. Zweitens besteht ein Hauptraster von 1,8 auf 3,0 Meter. Dieses durchgehende Raster hält als Einheit in der Vielfalt die unterschiedlichen Teile der Anlage zusammen. Und drittens gründen die Proportionen der Architektur, ausgehend vom Grundmass von 30 Zentimetern, auf der harmonikalen Bauweise. Diese bezieht sich unmittelbar auf ganzzahlige Proportionen, die in der Natur vorkommen und insbesondere für die musikalischen Intervalle gelten.»

«Besonderes Gepräge gibt dem Projekt Schliessung in sich und Öffnung zur Welt, Ein- und Ausatmen, Ruhe zur Dynamik und Bewegung zum Ziel, Sich-geborgen-fühlen und Luft-zum-Wirken bekommen, nicht als Entweder/Oder, sondern als Ein- und Dasselbe. Form findet das in jedem Gastzimmer, in den Gebäudetrakten, in der Gesamtordnung, eingebettet in eine natürliche Mulde, die unmerklich in die offene Landschaft übergeht, mit der Nutzung von deren reizvollen Gegebenheiten sowie in einer lebendigen Gestaltung und Beziehungssetzung aller Teile und dieser zum Ganzen.»
André Studer, 1965 nach dem Baubeschluss

Meditationsräume im Freien

Die Aufgabe, die ihn erwartete, war anspruchsvoll. Der Landschafsarchitekt Josef A. Seleger musste seine Planung zwei Elementen unterwerfen: Der charakterstarken Architektur André M. Studers und der hügeligen Moränenlandschaft, die das Lassalle-Haus umgibt. Von beidem liess er sich inspirieren; auf harmonische Weise erweiterte er Studers Räume hinaus in die Natur, liess das Innen und Aussen ineinander überfliessen, schaffte Meditationsräume im Freien.

Die Übergänge wirken fliessend und lassen nichts von dem vermuten, was Josef A. Seleger der Landschafsarchitektin Gabi Lerch 2005 schmunzelnd in einem
Gespräch über die Planungs- und Umsetzungszeit von 1967 bis 1970 erzählte: «Wir hatten 14 Gebäudeausgänge auf acht Stockwerken, für die wir die Umgebung

anpassen mussten – eine Planarbeit zum Verrücktwerden. Das war das Resultat der studerschen Architektur, die einem schon einiges abgefordert hat.» So sei bei André M. Studer gestalterisch immer alles möglich gewesen. «Das Wie kam an zweiter Stelle.» Haus und Garten scheinen sich die Hand zu geben; Treppen, Brücken, Terrassen, Plätze, Vordächer und auskragende Gebäudeteile sorgen für lückenlose Übergänge. André M. Studers zweiteiliges Konzept hat Josef A. Seleger im Aussenbereich weitergeführt: Während sich die Nordseite an den Wald anzulehnen scheint und in sich gekehrt und verschlossen wirkt, erlauben die grossen Fenster der Südseite freien Blick in die Hügel und Voralpen. Auch in der Gartengestaltung spiegelt sich diese Zweiteilung wieder. Kontrastierend zu Studers rechtwinkliger Architektur hat sich Seleger im Park für weiche, geschwungene Formen entschieden, die ins Weite führen. Kein Zaun, keine Begrenzung markiert das Ende Bad Schönbrunns

Zur Entstehung des Hauses

Video "Vom Kurhaus zum Bildungshaus" aus der Sendung "Raumkultur" von 2018